Naturpark Sextner Dolomiten, in den Gemeinden
Toblach, Sexten und Innichen - Die Einsamkeit großer Namen
Geologie und Wasserhaushalt
Die beiden Flanken des Sextnertales sind geologisch unterschiedlich aufgebaut: Während sich im Nordosten der westliche Ausläufer des aus sanft geformten, begrünten Porphyroidschiefern und Tuffen aufgebauten Karnischen Kammes mit dem Helm (2.434 m) bis vor Innichen schiebt, erheben sich auf der anderen Talseite die nordöstlichen Dolomiten.
Vom Talbeginn bis zum Kreuzbergpass begleitet uns die vollständige Schichtserie der Dolomiten. Über dem Mendeldolomit türmen sich die mächtigen, wild zerklüfteten Wände des Schlerndolomits empor, die vor allem der Haunold-, Dreischuster- und Birkenkofelgruppe ihr bizarres Gepräge verleihen. Mit der Haunoldgruppe reicht der Naturpark zudem direkt an die tektonische Bruchzone, die sogenannte "Pustertallinie", heran. Im südlichen Teil der Sextner Dolomiten bildet der Schlerndolomit hingegen nur den Sockel für die eigentlichen "Monumente" dieser Berggruppe: Der Elfer (3.092 m), die Hochbrunner Schneid (3.046 m), der Zwölfer (3.094 m), der Paternkofel (2.744 m) und die einzigartigen Drei Zinnen (2.999 m) bestehen nämlich aus Dachsteindolomit.
Die Raibler Schichten mit ihren grauen Dolomiten und bunten Tonmergeln bedecken vielfach den Schlerndolomit und schützen ihn vor
Erosion. In Mulden bilden sie die Wasser stauende Unterlage für grüne Almmatten und schimmernde Seen (Bödenalm, Bödenseen). Der Naturpark weist nur einen größeren See, den Dürrensee im Höhlensteintal auf. Landschaftlich bemerkenswert sind aber auch kleine und seichte Wasseransammlungen, wie die Zinnenseen, die Bödenseen und der Mitteralplsee.
Die Bergriesen, für uns der Inbegriff der Ewigkeit, sind nur eine kurze Momentaufnahme im dynamischen Entwicklungsprozess der Alpen und der Dolomiten. Dies beweist der Schutt, der unablässig von Gipfeln, Graten und Wänden rieselt und sich an deren Füßen in mächtigen Halden aufstaut. Stellenweise wurde das Innerfeld-, das Fischlein- und das Rienztal verschüttet und manchmal verlaufen die Bäche unter dem Geröll.
Lebensräume
Ungefähr zwei Drittel des Naturparkgebietes bestehen aus Felsen und Schutt. Eine ganze Reihe von Pflanzen haben sich darauf spezialisiert, diese unwirtlichen Standorte zu besiedeln. Deshalb kommt dieser Pioniervegetation eine besondere Bedeutung zu.
In Felsspalten, Ritzen und auf schmalen Absätzen haben sich einige der schönsten Dolomitenblumen verankert: das Dolomiten - Fingerkraut, die Zwergalpenrose, die duftende Felsenaurikel, die Dolomiten - Schafgarbe, die Dolomiten-Akelei und die Dolomiten - Glockenblume. Wie der Beiname "Dolomiten" bereits andeutet, handelt es sich meist um Endemiten, die auf steilen Südwänden die Eiszeit überdauert haben. Wo sich eine Schutthalde stabilisiert hat, recken alsbald Lärchen und Zirben ihre Kronen aus den Latschenfeldern hervor. Wo sich dank dieser Pionierarbeit genügend Humus gebildet hat, wuchern langsam höhere Sträucher die Schutthalden hinauf. Die zunehmende Humusdecke bietet für Millionen von Mikroorganismen Nährstoffe. Um die Voraussetzungen für das Leben auf dem Fels zu schaffen, müssen allerdings Jahrtausende vergehen.
Der unbestrittene König des Hochgebirges ist der Adler. Seine Horste baut er mit Vorliebe auf geschützten Felsabsätzen, wo jährlich ein bis zwei Jungadler ausgebrütet werden. Kleinere Singvögel, wie der Schneefink und die Alpenbraunelle, suchen in Schutthalden nach Felsenspringern und Springschwänzen.
Polsterseggenmatten bedecken den Schlerndolomit. An Graten und Kuppen ist der Nacktriedrasen vorherrschend. Die farbenprächtige Blaugrasgesellschaft besiedelt steile und sonnige Südhänge. Auf den Rasengesellschaften ist der Rasenpieper ein unübersehbarer Charaktervogel. Die Grasheiden sind für Gämsen willkommene
Futterplätze.
Die Schönheit und Harmonie der bergbäuerlichen Kulturlandschaft zeigt sich in den lichtdurchfluteten Lärchenwiesen oder den weiten Wiesen an den Hängen des Haunold, auf dem Gsell und unter der Rotwand.
In Weidegebieten wurde die Lärche früher gefördert, da ihr lichtes Kronendach neben der Holznutzung auch die Heuernte ermöglichte. Ihr tiefes Wurzelwerk festigte zudem den Boden und ist den flachwurzelnden Wiesenkräutern keine Konkurrenz. Enziane, Orchideen, Anemonen und Glockenblumen wachsen auf den wenig gedüngten Wiesen. Verwitterte Heuschupfen - aus Lärchenholz erbaut und mit Lärchenschindeln gedeckt - runden das Bild dieser einzigartigen Kulturlandschaft ab.
Der Naturpark wird vor allem im östlichen Teil von subalpinen Fichtenwäldern umgeben,
die mit Lärchen, seltener Tannen und Zirben durchsetzt sind. Da und dort gedeihen im Fichtenwald auch Laubbäume, insbesondere Birken und Ebereschen. Die aus Fichten, Lärchen und einzelnen Zirben gebildete Waldgrenze liegt bei rund 1.900 Metern Seehöhe. Kennzeichnende Tierarten dieser Bergwälder und zum Teil auch der Krummholzzone (Übergang vom Wald zu den alpinen Rasen, der von Zwergstrauchgesellschaften geprägt wird), sind der Sperlings- und Raufußkauz, der Bunt- und Schwarzspecht, seltener der Dreizehenspecht. Das Rehwild kommt im offenen Gelände, im unterholzreichen Bergwald und im Sommer auch in der Krummholzregion vor. Der im Bergwald oft dichte Unterwuchs an Zwergsträuchern mit reichen Beerenvorkommen stellt schließlich eine vorzügliche Nahrungsgrundlage für das Auer- und Birkwild dar.
Mensch und Natur
Die Gipfel und Wände der Sextner Dolomiten übten schon im vergangenen Jahrhundert eine magische Anziehungskraft auf Bergsteiger aus. Zu Anfang waren es die Engländer, die in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts die Dolomiten als alpinistisches Niemandsland entdeckten. Für die Dolomitenbewohner war dies eher eine extravagante Narrheit. Als Hirten stiegen sie gerade soweit hinauf, wie Gras wuchs; als verwegene Gämsjäger so weit, wie die Beute kletterte. In Mythen, Sagen und Bräuchen galten die Berge als Sitz der Dämonen und Gottheiten, Riesen und Zwergen.
Den englischen Pionieren folgten bald Wiener und reichsdeutsche Bergsteiger. Aus gebirgserfahrenen Jägern wurden die ersten Träger und Führer rekrutiert. Die anfangs noch überaus bescheidenen Hüttenbauten verkürzten den Weg zum Einstieg und zogen mehr und mehr Bergwanderer an.
Die friedliche Eroberung der Bergwelt fand im Mai 1915 ein jähes Ende. Zweieinhalb Jahre lang tobte hier oben im Hochgebirge der Krieg zwischen dem italienischen und dem österreichischen Heer. Zehntausend Soldaten mussten in dieser Eiswüste zwei Winter lang ausharren. Noch heute sind die Böden des Zinnenplateaus von rostenden Granatsplittern durchsetzt und der Sextenstein wie ein Emmentaler Käse durchlöchert. Im wieder hergestellten Friedhof erinnert der Totentanz aus der Hand von Rudolf Stolz an den Wahnwitz dieses makabren Ringens.
Adressen der Naturparkgemeinden
Gemeinde Toblach
Graf-Künigl-Straße 1
39034 Toblach
Tel.: 0474-970500
E-Mail: toblach@gvcc.net
Gemeinde Innichen
Pflegplatz 2
39038 Innichen
Tel.: 0474-913132
E-Mail: innichen@gvcc.net
Gemeinde Sexten
Dolomitenstraße 9
39030 Sexten
Tel.: 0474-710323
E-Mail: sexten@gvcc.net
Weitere interessante Informationen über die Naturparke finden Sie auf
http://www.provinz.bz.it/natur/
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