Advent
Das Kirchenjahr fängt mit dem Advent an. Es ist Brauch, in der Kirche und in der Stube einen Adventkranz aufzustellen, einen mit Tannenzweigen geflochtenen Ring, worin vier Kerzen stecken; drei sind violett (Bußfarbe) und eine ist rosa für den dritten Sonntag, "Gaudete" genannt. Jeden Sonntag brennt eine Kerze mehr, das Licht Christi wird beim Herannahen seiner Geburt immer stärker.
Im Advent wird sehr früh am Morgen ein feierlicher Gottesdienst abgehalten, nach dem ersten Wort der Liturgie heißt er
"Rorate".
Weihnachten
Nach altem Tiroler Brauch darf in keinem Haus die Weihnachtskrippe fehlen. Die Figuren, Hirten, Schafe, Maria, Josef, Christuskind, ..., sind gewöhnlich aus Holz, oft von den Mitgliedern der Familie selbst geschnitzt; sehr verbreitet sind die kunstvollen Grödner Schnitzereien.
Am 6. Jänner kommen die Drei Könige mir ihrem Gefolge und Kamelen dazu.
Der Abend des 24. Dezember ist "Heiliger Abend". Jedes Tal und Dorf hat eigene Bräuche uns Speisen. Wenn es dunkel wird, wird fast überall der Bauernhof "geräuchert". Der Familienvater nimmt eine kleine Pfanne mit Glut, streut Weihrauch darauf und geht damit, von der Familie begleitet, betend durch das ganze Haus, dann um das Haus herum und durch den Stall, um böse Geister zu verbreiten und Segen zu erbitten.
Gegen 23 Uhr oder um Mitternacht beginnt gewöhnlich in der Kirche die Christmette.
Am Silvesterabend (31. Dezember) beginnt die zweite "Rauchnacht"; man wiederholt die Räucherung im Haus und rundherum. Die dritte "Rauchnacht" ist vor Drei König.
Um "Drei König" ziehen von Haus zu Haus die "Könige" mit bunten Gewändern, Krone und Stern auf einem langen Stab. Diese "Sternsinger", darunter der "Mohr" mit schwarzem Gesicht, singen ein Lied und wünschen alles Gute. Sie bekommen eine Spende, meistens für die Missionen. Sie schreiben auf den Türsturz die Buchstaben C+M+B ("Casa Meam Benedica" = Segne dieses Haus) und die Jahreszahl.
In der Kirche wird das "Kinigwasser" geweiht.
Fastenzeit
Die Vorbereitung auf Ostern beginnt mit dem Aschermittwoch, am ersten Tag der Fastenzeit. Viele gehen in die Kirche, lassen sich als Zeichen der Buße Asche auf den Kopf streuen. Früher musste man 40 Tage lang fasten und durfte kein Fleisch essen. Man musste zur Beichte gehen.
In der Fastenzeit betet man die "Kreuzwegandacht"; die 14 "Stationen", auf Tafeln gemalt, fehlen in keiner Kirche.
Karwoche
Am Palmsonntag werden Öl- oder Weidenzweige gesegnet und während der Prozession mitgetragen. Einige kommen in den Herrgottswinkel, andere, auf Stangenspitzen befestig und verziert, werden an den Gartenzaun oder den Giebel gebunden.
Es folgt die heiligste Woche des Kirchenjahres. Man betet die Kreuzwegandacht und in manchen Dörfern ist das "Vierzigstündige Gebet" Brauch: Das Allerheiligste bleibt den ganzen Tag auf dem Altar in der Monstranz ausgesetzt, und die Bewohner der verschiedenen Weiler und Höfe kommen turnusweise in die Kirche zu einer Stunde der Anbetung.
Den Gründonnerstag feiert man mit einem Hochamt.
Am Karfreitag schweigen die Glocken. Sie werden von der "Ratsche" ersetzt. An diesem Tag gilt eine strenge Faste. Um drei Uhr nachmittags füllen die Leute die Kirchen, um das Leiden uns Sterben Christi zu würdigen.
Am Schluss wird ein großes Kreuz mit dem Erlöse zum "Grab" getragen.
Am Karsamstag ist die Feuerweihe: mit dem heiligen Osterlicht zündet man die mitgebrachte Kerze an, die heimgebracht wird, um andere Kerzen anzuzünden.
Ostern
Ostern ist das höchste Fest des Kirchenjahres. Noch gebräuchlich ist die Speisenweihe. Die Menschen bringen in einem Korb Eier, Speck, Butter, Krapfen und andere Speisen die zuerst auf den Ostertisch kommen, in die Kirche. Das Ei ist ein uraltes Symbol der Wiedergeburt der Natur nach dem Winter und des Lebens nach dem Tod und für die Christen symbolisiert es die Auferstehung Christi aus dem verschlossenen Grab.
Um Ostern werden die Kinder mit mehreren gefärbten Eiern und Süßigkeiten beschenkt. Nach der herkömmlichen Weise werden die Eier mit Blättern und Zwiebelschalen in Tücher eingewickelt und hartgesotten, um sie so zu verzieren.
Die Kleinsten suchen diese Geschenke dann im Haus, im Gras oder im Garten, wo der "Osterhase" sie versteckt hat.
Fast überall üblich ist das "Eierpecken": Einer hält das Ei in der hohlen Hand und lässt nur die Spitze sichtbar, der andere klopft darauf mit der Spitze seines Eies; das Ei mit gequetschter Spitze verliert und muss an den Sieger abgegeben werden.
Prozessionen
Sehr häufig sind die Prozessionen, einige feierlich und prunkvoll, andere sehr alt und charakteristisch, viele bescheiden und ortsgebunden. Sind Ausdruck einer tiefen religiösen Überzeugung, so wie auch die Wallfahrten.
Viele gehen in der bunten traditionellen Festtracht mit. Die Gruppen tragen ihren Patron auf den Schultern: die Schüler den Heiligen Schutzengel, die Jungmänner den Heiligen Aloisius, die Männer den Heiligen Josef, die Jungfrauen die Unbefleckte oder die Heilige Notburga, die Frauen die Heilige Anna. Jedes Dorf hat zusätzlich eigene Statuen und Bräuche. Begleitet wir der Zug von der Musikkapelle. Auffällig sind die riesigen und farbigen Kirchenfahnen. Es folgen Vereine, die Schützen, Feuerwehrleute, Ministranten, die Geistlichen, der Pfarrer mit der Monstranz unter einem eigenen von vier Männern getragenem Baldachin. Unterweg sind vier Altäre aufgestellt. Der Chor singt, der Diakon liest den jeweiligen Anfang eines der Evangelien und der Pfarrer erteilt dem Allerheiligsten den Segen.
Schützen und Volkstrachten
Am 20. Februar ließ Napoleon Andreas Hofer in Mantua erschießen, weil er es gewagt hatte, 1809 seine Truppen mit einem Volksaufstand aus Tirol zu verjagen. An diesem Tag gedenken die Schützen mit Umzügen, Messen und Zeremonien des Tiroler Freiheitshelden bei seinen Denkmälern. Meist haben sie Spielhahnfedern auf dem Hut, tragen eine rote Weste, eine braune lange Joppe, Kniehosen, weiße Kniestrümpfe, Halbschuhe mit einer Schnalle und marschieren in Reih und Glied; voraus schreiten die Fahnenträger und die Marketenderinnen. Die Schützen wurden 1511 aufgestellt, um ihre Heimat zu verteidigen. Heute bestehen in Südtirol noch mehr als 70 Schützenkompanien mit ruhmreicher Geschichte.
Südtirol weist die größte Trachtenvielfalt im Alpenraum auf, mehr als 100 verschiedene, wenn auch ähnliche Aufmachungen.
Unterscheidungsmerkmale nach Tälern und Ortschaften sind bei den Frauen Hut und Mieder, bei den Männern Hut und Joppe.
Märkte
Die berühmtesten Viehmärkte finden am Bartholomäustag (24. August) in Pemmern auf dem Ritten und am 26. Oktober in Stegen bei Bruneck (Pustertal) statt. In Stegen findet zugleich drei Tage lang ein Krämermarkt mit Vergnügungspark statt.
Almabtrieb
Gegen den Michaelstag (29. September) kehrt das Vieh von der Alm zurück; es ist ein Ereignis für das ganze Dorf. Die gestriegelten und geschmückten Rinder kehren ins Tal zurück. Als erstes erscheint die Leitkuh; um die Hörner hat sie einen Blumenkranz mit buntem Flitterwerk und Bändern, am Hals einen breiten Gurt mit größerer Glocke. Auch die anderen Kühe tragen Schellen.
Danach findet eine Art Dorffest statt.
Kirchtag
Im Herbst, an, nach Orten verschiedenen Tagen, besteht noch im Pustertal die Sitte, den "Kirchtagmichl" aufzustellen. An einem hohen Nadelbaum, der entastet und entrindet wird, wird der Michl angebunden, eine Strohpuppe in Tracht, mit Krapfen und einer Weinflasche in den Händen. Die ganze Nacht müssen die Burschen aufpassen, damit ihnen ja niemand den Michl stiehlt, denn das wäre eine große Schande.
Törggelen
Großer Beliebtheit erfreut sich im Spätherbst das "Törggelen", der Südtiroler Brauch des Verkostens des neuen Weines in einem "Buschenschank" oder in einem Landgasthaus. Der Name "Törggelen" kommt vom römischen "torculum", Weinpresse. Das Törggelen ist ein fröhliches, geselliges Beisammensein bei typischen Südtiroler Spezialitäten, wie geröstete Kastanien, Nüsse, Krapfen, Schlachtplatten, Gerstensuppe,.... Dazu trinkt man Most und den "Neuen Wein".
Christkindlmärkte
Im Advent bis zum Heiligen Abend oder bis zum 06. Jänner ziehen die Christkindlmärkte von Bozen, Meran, Brixen und Bruneck viele Besucher an. Hierbei kann man vor allem Erzeugnisse des Südtiroler Kunsthandwerks kaufen und sich bei warmen Südtiroler Speisen und bei Gklühwein aufwärmen.
Krampusumzüge und Nikolaus
Am Abend des 5. Dezembers ziehen die "Teufel" mit Hörnern, Ruten und Ketten bewaffnet durch die Straßen. In Toblach findet ein besonders prächtiger Umzug mit vielen selbsgeschnitzten Masken statt.
Am 6. Dezember hingegen erscheint der drohende "Krampus" nie allein, sondern immer zusammen mit dem Heiligen Nikolaus und seinen "Engeln". Mit Bart, Rauchmantel, Bischofsmütze und Krummstab ausgestattet, bringt er den Kindern die ersehnten Geschenke. Aber liest er in einem dicken Buch ihre "Sünden" und ermahnt sie, recht brav zu sein.
Für alle die mehr wissen möchten empfehlen wir das Buch "Südtiroler Volksleben" von Giuseppe Richebuono, erschienen im Athesia-Verlag. Auch unsere Informationen stammen aus diesem Buch. |