Südtirols Gastronomie und ihre Eigenheit
Die Eigenheit der Südtiroler Gastronomie besteht in einem geographisch, politisch und historisch bedingten Konkurrenzkampf, nicht zwischen einzelnen Restaurant- und Gasthaustypen wie anderswo, sondern zwischen zwei Kulturen, zwischen der südlich-mediterranen und der alpenländisch-kontinentalen Kochkunst.
Bei den warmen Vorspeisen liegen in Südtirol unangefochten die "Italiener" mit ihren Nudelgerichten an der Spitze. Was die Fischgerichte angeht, so gibt es in Südtirol Forellen, Karpfen und Hechte aus Seen und Züchtungen, aber die Mehrheit der Fische, die auf hiesigen Tafeln landen, kommt von "auswärts". Bei den Tellergerichten und Hauptspeisen gibt es im Landesdurchschnitt eine Dreiteilung: Ein Drittel des Angebots entstammt der tirolerisch-österreichischen Küche, ein Drittel der italienischen, und ein weiteres Drittel stellen die Standardangebote der internationalen Küche dar.
Südtiroler Bauerngerichte
In den letzten Jahren entstand vielerorts wieder reges Interesse an der einfachen und naturnahen Küche. Vermehrt wird heute auf Produkte, die im eigenen Land erzeugt werden, zurückgegriffen. So erfreuen sich auch die Bauernmärkte immer größerer Beliebtheit. Die Südtiroler Bauernküche verwendet frische Erzeugnisse wie Butter, Topfen, Käse, Milch, Rind- und Lammfleisch, Gemüse, Kräuter, Obst, Beeren und Honig.
Typische Bauernkost:
Zu einer Tiroler Marende (Jause) gehören Speck, am besten herzhaft aromatisch mit Wacholderbeeren über Holz geräuchert, und würziger Almkase. Suppen sind auch in Südtirol echte Bauernkost, z.B. die Terlaner Weißweinsuppe, die Gerstensuppe, die Brennsuppel, die Bozner Saure Suppe und die Vinschger Brotsuppe.
Törggelen
Das Törggelen ist ein alter Südtiroler Herbstbrauch. Es ist die Bezeichnung für das Verkosten des neuen Weines, des "Nuien", andernorts "Sußer" oder "Federweißer" genannt, am Ort seiner Entstehung in den Verschiedenen Weinhöfen.
Das Wort stammt von dem Begriff "Torggl" (Weinpresse, Traubenpresse).
Getörggelet wird heute von Anfang Oktober bis gegen Weihnachten, sofern nicht vorher ein mächtiger Schneefall eintritt.
Zum neuen Wein werden meist gebratene Kastanien, Speck, Kaminwurzen, Almkäse, Schüttelbrot und süße junge Nüsse sowie die frischen Produkte des ersten Schlachtens, z.B. saftige Hauswürste mit Kraut und duftende, würzige Schweinsrippelen oder Gurtes mit gebratenen Erdäpfeln, ein Schöpsernes Bauernbratl oder eine Gerstensuppe mit Selchfleisch, gegessen.
Für alle Liebhaber der Südtiroler Küche empfehlen wir das Buch "So kocht Südtirol", geschrieben von den Küchenmeistern Heinrich Gasteiger, Gerhard Wieser und Helmut Bachmann, erschienen im Athesia-Verlag.
Hier finden Sie Wissenswertes über die Tiroler Küche, Warenkunde und natürlich jede Menge Rezepte zum Nachkochen. Gutes Gelingen ist sicher!
|